Bonnie und Columbus

Zwei Samtpfoten erobern die Welt

3 Wochen und Vier Jahre

3 Kommentare

3 Wochen ist es nun her, dass unser Bonnielein in den Himmel gestiegen ist. Unsere Tränen, und es waren viele, sind mittlerweile meistens getrocknet. Außer beispielsweise an Tagen wir heute. Besonders Montags, besonders sogar um diese Zeit wo ich jetzt schreibe, es ist 16:45, ist es schlimm. Etwa um diese Zeit muss sie gestorben sein. Damit sind wir schon auch gleich beim nächsten Punkt was vor allem mich so traurig macht – ich war nicht dabei, sie war allein 😥

Ich habe in den vergangenen drei Wochen so viele Gedanken gehabt, die ich hier nochmal „zu Papier“ bringen wollte, ich werde versuchen, sie ein wenig zu sortieren. Der Text ist seeehr lang geworden, wenn ihr bis zum Ende kommt, werdet ihr auch noch Fotos finden, ich habe ein paar besondere ausgewählt…

Als ich sie vor drei Wochen, am 30.01. zum Tierarzt gebracht habe, habe ich keine Sekunde daran gedacht, dass es so schlimm um sie stehen würde, dass sie noch am gleichen Tag, nur wenige Stunden später, sterben würde. Es war alles ok, am Sonntag hat sie nix gefressen, aber das war nicht so sehr ungewöhnlich, das kam immer wieder mal vor. Sei es auch Bauchweh oder weil sie sich etwas überfressen hatte. Seit etwa 4 Wochen hatten wir dauerhaft Trockenfutter stehen. Die Tierärztin hatte uns das empfohlen. Wir haben die Miezen vorher eigentlich nur morgens, mittags und abends mit Nassfutter gefüttert und Trockenfutter als Leckerlie. Der Grund war, dass die zwei sonst Wettessen gemacht haben. Bevor nicht alles alle war haben sie nicht aufgehört damit auch nur nicht der andere mehr kriegt. Nun haben wir es aber so gemacht, Bonnie hat auch relativ schnell aufgehört, das TroFu-Schälchen zu verschlingen, Columbus war da nicht so clever, der saß ständig da dran und hat gefuttert. Nunja, jedenfalls hat sie Sonntag nicht gefressen und wir haben gesagt, wenn es Montag noch immer so ist, dann gehen wir mal zum Arzt. Sie hatte 2 oder 3 mal eine kleine Magenverstimmung, wo der Arzt ihr eine Spritze gegen das Bauchgluckern geben musste. Was soll ich sagen, Montag war es immer noch so. Sie lag ziemlich platt in der Küche, hat etwas flach geatmet und ihr Bewegungsradius war ziemich klein. Immer wenn ich bis Mittag in die Küche kam, lag sie noch in der Nähe des Küchentisches – erst darauf später unterm Tisch. Ich hatte schon Andy angerufen, dass ich überlege das Baby am Nachmittag den Nachbarn aufzudrücken um mit ihr spazieren zu gehen, dass ich schneller zum Tierarzt komme, aber er meinte ob ich 15 Uhr gehe oder er 17 Uhr dürfte ja egal sein – stimmt dachte ich, eigentlich egal. Und dann kam 13.30 Uhr. Babylein hat gerade Mittagschlaf gemacht und ich habe Bonnie zufällig mal in Bewegung gesehen, weil Columbus sie versucht hatte zum spielen zu animieren, und ich sagte es bereits, so konnte nicht mehr laufen. Sie hat getorkelt und ist fast über ihre Beine gefallen, das war ein echter Schock und ich habe zuerst Andy angerufen um ihm zu sagen, dass ich gleich zum Tierarzt gehen will. Dann habe ich 13:45 beim Arzt angerufen, in der Hoffnung dass schon jemand da ist, weil die ja erst 14 Uhr öffnen. Ich sollte gleich kommen, dann brauch ich mit dem Baby nicht so lange warten. Also hab ich meine Mädels in Rekordtempo eingepackt und bin losgedüst. Ich hatte mir schon gedacht, dass sie Bonnie dabehalten, weil ich dachte sie braucht bestimmt eine Infusion weil sie so wenig gegessen hat und deswegen jetzt so kraftlos torkelt, dass es so weit gefehlt sein würde 😦 Ich hatte ja im Prinzip schon alles beschrieben was dort rauskam.

Kurz vor drei bin ich vom Tierarzt weg, Andy hatte ich gebeten, nicht so spät zu kommen um mir ein bisschen beizustehen. Ich war ziemlich traurig, hab viel geweint und brauchte Unterstützung für unser Kind. Er hatte gefragt, ob er nochmal zum Tierarzt kommen kann um Bonnie zu besuchen, das war kein Problem. Er war etwa 16:45 Uhr da, da wollten sie mich gerade anrufen, dass Bonnie gestorben ist. Könnt ihr euch vorstellen, was das für ein Schock für ihn war?? Er kam ins Untersuchungszimmer, da hatten sie Bonnie rausgeholt, da wusste er sofort was los ist. Als er nach Hause kam mit der Box, habe ich einen Wimpernschlag lang gedacht, dass sie Bonnie nach  hause geschickt haben weil sie gefunden haben was sie hat und das auch zu Hause behandelt werden kann. Nach diesem Wimpernschlag hab ich das realistischere gedacht – sie haben gefunden was sie hat, können ihr nicht mehr helfen und haben sie nach Hause geschickt um in Ruhe einzuschlafen. Dann habe ich gesehen, dass die Box leer ist. Andy hatte noch nix gesagt, und auf mein gequältes „NEIN“ kam bloß ein ersticktes, leises „doch“. Ich habe das Baby abgelegt, und bin weinend zusammen gesackt. Andy musste auch Weinen, und so haben wir drei geweint, Baby vor Schreck was los ist und wir beide vor Schock und Trauer. Es ging so schnell, so unerwartet und plötzlich.

Seit den drei Wochen haben wir so viel geredet und gerätselt. Wir haben uns auch Vorwürfe gemacht. Andy hat die Tierärztin gefragt, ob wir eher hätten kommen müssen. Sie sagte das kann man nicht sagen, weil sie nicht wissen ob sie Bonnie hätten helfen können. Aber ich frage mich, wieviel eher hätten wir kommen sollen?!

Bonnie hatte ein paar Anpassungsschwierigkeiten mit dem Baby. Schon in der Schwangerschaft, als erste Veränderungen in der Wohnung sichtbar wurden hat sie so kleine Pickelchen am Ohr bekommen, weswegen wir auch in den letzten Monaten ich glaube 4 Mal beim Arzt waren. Sie hat meist Cortison gegen den Juckreiz bekommen und zuletzt auch Globuli zur Beruhigung, Feliway wurde uns empfohlen und von Royal Canin Calm Futter. Zuletzt war ich ende Dezember mit ihr beim Arzt und habe gefragt, ob wir denn eine Chance haben, dass das überhaupt mal besser wird. Ich wollte sie ja auch nicht ewig Stress aussetzen. Beim Gedanken daran sie womöglich abgeben zu müssen wurde mir zwar auch ganz anders, aber wenn es keinen anderen Weg gegeben hätte. Die Ärztin war aber sehr zuversichtlich, dass das alles wird. Manchmal hat Bonnie auch den Bauch gezeigt und sich kraulen und streicheln lassen und wenn wir gesehen haben, die Augen sind groß und sie zieht sich zurück, haben wir sie in Ruhe gelassen und sind weg gegangen. Dadurch haben wir vielleicht einige Veränderungen in ihrem Verhalten nicht wahrgenommen und auf Stress mit Baby zurück geführt. Sie hat in den vergangenen Wochen auch öfters ihr Mittagsfutter ausgekot**. Und sie hat sich sogar selten unter der Couch verkrochen. All das denkt man jetzt im Nachhinein, war das schon irgendetwas? Wäre sie älter gewesen, hätte man auch manches ernster genommen vielleicht, aber sie war erst knapp 4, da denkt man doch nicht an eine ernsthafte Krankheit. Wir wissen es nicht und wahrscheinlich hat das auch keinen Sinn darüber nachzudenken, aber man wünscht sich doch auch Erklärung. Sie wissen ja auch nicht was es war, sie vermuten einen Tumor. Ich hab mal gegoogelt und denke, es könnte auch eine Herzinsuffizienz gewesen sein, die Symptome würden passen.

Ich hab mir auch so oft Vorwürfe gemacht, weil ich so gestresst mit ihr war manchmal. Gerade das, was Bonnie ja ausgemacht hat hat in manchen Situationen mit Baby einfach echt argh. Sie hat immer so schön mit einem geredet, regelrecht angemeckert hat sie einen. Und wenn ich auf der Couch saß, das Baby mühevoll in den Schlaf gewogen habe und dann kam Bonnie und hat in einer Lautstärke nach Futter gemaunzt, dann war ich manchmal richtig sauer auf sie. Im Nachhinein tut mir das so leid und ich will dass sie zurück kommt und mich ganz viel vollmeckert. Ich gebe ihr auch eine Extra-Portion.

Es sollte mich etwas beruhigen, dass ich ihr durch ihre Schwierigkeiten mit der Kleinen ganz bewusst ganz viele Streicheleinheiten zukommen ließ. Vielleicht war es nicht mehr als vorher, aber vermutlich auch nicht weniger. Der Kratzbaum steht ja auf dem Weg vom Wohnzimmer und Küche, da lag sie oft, und immer wenn ich dran vorbeigekommen bin habe ich ihr einen Kuss aufgedrückt oder die Ohren gekrault. Aber das tröstet nicht viel.

Der nächste Punkt, der mich sehr schmerzt und bei dem ich immer noch regelmäßig anfange zu weinen, ist dass ich sie beim Tierarzt alleine gelassen habe. Es war immer mein Wunsch und meine Vorstellung, dass meine Miezen ganz friedlich zu Hause einschlafen können und nun habe ich sie zum Sterben zum Tierarzt gebracht. Wenn ich ganz ganz in mich gehe, hätte ich vermutlich auch wissen können das es schnell vorbei sein wird. Als ich beim Tierarzt ankam, konnte sie die Hinterbeine eigentlich schon nicht mehr bewegen. Wenn ich mich recht erinnere, hat sie den Popo dort schon gar nicht mehr hoch bekommen.  Was mich dazu allerdings etwas beruhigt ist, dass wir um die Einschläfer-Spritze rumgekommen sind. Darüber habe ich schon einige Horror-Geschichten gehört dass ich immer schon Angst davor hatte.

Außerdem ärgere ich mich, dass ich mich beim Arzt nicht richtig von Bonnie verabschiedet habe. Ich habe fast die ganze Zeit mehr auf das Baby geguckt, obwohl es ihr gut ging und nicht so viel Aufmerksamkeit gebraucht hätte. Kurz war sie ja alleine mit der Schwester, als mich die Ärztin ins Röntgenzimmer geholt hat. Ich habe die ganze Zeit rüber geguckt ob auch alles ok ist und Bonnie habe ich nur einen Streichler über den Kopf gegeben. Ich hätte nochmal in die Knie auf ihre Höhe gehen können und das Köpfchen richtig kraulen und ihr nochmal sagen dass ich sie liebe. Aber ich habe nicht realisiert, wie schlimm es ist und dass es vielleicht wirklich das letzte mal ist, dass ich sie lebendig sehe :((

Andy macht sich auch Vorwürfe. Eben ob wir eher hätten gehen sollen, vor allem aber weil er nur wenig zu spät kam. Sie hatten ja gerade mitbekommen, dass Bonnie gestorben ist, wäre er also vielleicht 20 Minuten eher dagewesen, hätte er noch bei ihr sein können.

Wir haben uns für eine Einäscherung entschieden. Wir konnten uns dort nochmal von ihr verabschieden und mittlerweile ist Bonnie wieder zu Hause. Wir haben jetzt eine Urne in Form einer schwarzen Katze hier und streicheln ihr oft über den Kopf. Wenn wir irgendwann mal einen Garten haben, werden wir die Asche dort verstreuen. Die Verabschiedung war seltsam aber wichtig. Bonnie war so kalt und so steif, aber wir konnten sie nochmal streicheln ihr nochmal sagen, was uns auf dem Herzen lag. Ich habe mich bei ihr für meine Ungeduld manchmal entschuldigt, und dass ich sie alleine gelassen habe.

Tja, und wie geht es Columbchen nun… Es schwankt ein wenig, manchmal habe ich den Eindruck ist es nicht so schlimm für ihn. Er schläft hat etwas mehr, die zwei mal täglich 5 Minuten mit Bonnie sind nicht mehr… Manchmal liegt er aber auch an der Trepe im Flur auf dem Rücken, wo sie oft gebalgt haben und guckt mit Hasenpfötchen zu uns. Oder auf dem Teppich im Wohnzimmer, lässt sich auf den Rücken fallen und guckt uns mit den Hasenpfötchen an. Wir wollten ihm eigentlich eine neue Katze oder Kater zur Seite stellen, aber die Tierärztin hat uns vorerst abgeraten. Sie meinte zunächst sollten wir ihm auf jeden Fall Trauerzeit geben, Katzen brauchen die auch. Und dann erstmal gucken, wie er alleine klar kommt. Eigentlich sind Katzen Einzelgänger und brauchen niemand weiter. Zudem ist er eine Wohnungskatze, das hier ist sein Revier und wenn wir ihm jetzt einfach jemanden vorsetzen, kann er nicht mal weg um Dampf abzulassen. Wenn er anfängt, Stresssmptome zu zeigen, er hat ja gerne mal in die Wanne gepullert oder gekackt, dann sollten wir drüber nachdenken, einen kastrierten Kater zu holen. Da wir demächst irgendwann umziehen wollen mit Möglichkeit zum raus gehen, werden wir auf jeden Fall bis dahin abwarten und dann mal sehen, ob wir einen neuen Kater holen und sie dort, auf neutralem Boden zusammen führen.

Jetzt war es ein seeeeehr langer Text, sollten ihr bis hier her gekommen sein, werdet ihr jetzt mit ein paar Fotos belohnt. Achso, und warum 4 Jahre im Titel. Heute ist Bonnies vierter Geburtstag, bedenkt man, dass ich knapp 1,5 Jahre nicht gebloggt habe, habt ihr quasi fast ihr halbes Leben verpasst. Das kann ich nicht mit Schreiben und nicht mit Fotos aufholen, aber ein paar besondere Bilder möchte ich zeigen. Ich weiß noch nicht, was ich mit dem Blog mache. Ich glaube nicht, dass ich es regelmäßig schaffe zu schreiben. Ich werde sehen und mir das überlegen.

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3 Kommentare zu “3 Wochen und Vier Jahre

  1. Nun sitze ich erst einmal hier und muss mich ein wenig sammeln 😥
    Ich drücke euch mal in der Ferne. Es kann so schnell gehen und dann dreht die Welt sich ein wenig anders weiter.

    Weiß wie du dich fühlst, denn bei unserem Felix ging es Ende 2015 auch sehr schnell. Nur hat er im Gegensatz zu Bonnie ein schönes Alter erreicht und man merkte ihm im letzten Jahr doch Alter an.

    Mache dir bzw. macht euch keine Vorwürfe, denn es bringt Bonnie nicht zurück und ob Bonnie es gewollt hätte das ihr da nun grübelt – bestimmt nicht. Bin nur etwas über eure Tierärztin verwundert, dass sie euch nicht u.a. mitgeteilt hat was sie vermutet.
    Bitte googlet nicht, das macht euch dann ganz fertig, denn die Symptome können auf vieles hindeuten.

    Zum Trauern von Artgenossen:
    das hat hier gut ein 3/4 Jahr gedauert und eigentlich sind sie erst seit gut 2-3 Monaten wieder in der Spur.
    Die Jungs hier konnten noch von Felix selber Abschied nehmen, am nächsten Tage war hier eine schreckliche Ruhe im Haus – das was wir sonst gar nicht so kennen. Dann am zweiten/dritten Tag fing das Trauern an, Shadow und Monti riefen nach ihm.
    Alle verhielten sich anders wie sonst. Besonders Monti, von dem wir es gar nicht gedacht hätten, hatte wirklich seine Probleme. Gut sechs Wochen vor Felix Regenbogengang zog der Finni ein, dann wurde Felix krank und ein paar Tage später war er nicht mehr da – das waren zu viele Veränderungen für den armen Kerl. Ich habe dann nach Rücksprache mit der TÄ ihn mit Bachblüten behandelt. Dann ging es wieder, dann gab es Tage da ging es nicht so und eigentlich im letzten Herbst ist er wieder in der Spur und auch alle anderen machen ihren Unarten wieder. Man muss denen wie ihr schon sagt Zeit geben, geduldig sein, Verständnis zeigen …

    Nein, Katzen sind keine Einzelgänger, sind sind Rudeltiere.
    Sie sind lediglich Einzeljäger und das ist ja im häuslichen Revier nicht der Fall, dass sie einzeln eine Maus erlegen. 😉

    Wir drücken euch aus der Ferne
    Marlene mit Shadow, Ernie, Monti u. Finn

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  2. Ich kann Marlene da nur beipflichten: macht Euch KEINE Vorwürfe, das bringt Bonnie nicht zurück. Ich bin sicher, es geht ihr gut da, wo sie nun ist. Lasst Google außen vor, das bringt nichts. Ich drücke Euch alle gaaanz lieb!!! Haltet die Ohren steif. Kopf hoch!

    LG
    Malina!

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  3. Ich glaube auch, dass Vowürfe euch nicht weiter bringen. Es ist nun mal so geschehen. Bonnie hatte ja eine schöne Zeit bei euch.
    Ihr müsst mit der Zeit entscheiden, ob ihr noch eine zweite Katze ins Haus nehmt. Es tut mir auch sehr leid für den süßen Columbus. Bonnie und Columbus haben so gut zueinander gepasst. Ich habe sie so gerne zusammen gesehen.
    Vielen Dank für die schönen Bilder!!! Es wäre gut, ab und an von euch zu hören!
    Ich wünsche euch alles Gute.

    Liebe Grüße von
    Elke

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